Organische 3D-Modelle leicht gemacht
123D Make von Autodesk ist eine fantastische Software, die einem erlaubt in wenigen Schritten echte 3D-Modelle zu entwickeln. Speziell für organische Modelle ist dieses Werkzeug zukunftsweisend. Man braucht nur ein virtuelles 3D-Modell zu importieren, danach Grösse, Material und Ebenendicke bestimmen und die Daten an ein Laserschneidgerät oder eine CNC-Maschine schicken oder die Bastelanleitung im .pdf-Format ausdrucken, schneiden und zusammenstecken.
Hier geht’s zur Videoanleitung.
Bis Ende Februar 2012 ist die Software gratis hier verfügbar (nur für Mac).
Die magische 8 – Der Lignum-Pavillon
Lignum ist die Schweizerische Informationsstelle für alle Themen im Zusammenhang mit Holz. Sie organisiert Veranstaltungen, erstellt Dokumentationen und Publikationen, betreibt Umsetzung von Forschung und führt Expertisen und Beratungen durch.
Frei + Saarinen Architekten haben im Auftrag der Lignum einen neuen Messestand entworfen, der an mehreren Baumessen anzutreffen ist. Es handelt sich um eine eigentliche Holzskulptur in einer freien Form aus mehrlagigen Massivholzplatten. Damit wird am Lignum-Stand unmittelbar erfahrbar, welche Möglichkeiten heute in der architektonischen Gestaltung mit Holz liegen.
Konstruktion der Schichtung
Zwanzig Ebenen aus 50 mm starken Fünfschichtholzplatten werden alternierend mit 13 cm hohen Distanzelementen aus demselben Material aufeinandergestapelt, so dass ein organisch geformtes Gebilde entsteht, welches die Besuchenden in der Figur einer “räumlichen Acht” durch fliessend ineinander übergehende Atmosphären führt. Die Ausstellungsarchitektur bildet also nicht bloss den Rahmen für Exponate, sie soll vielmehr als begehbare Holzskulptur die Neugier für die Gestaltungsmöglichkeiten mit Holz wecken und exemplarisch das Potential zeitgemässer Planungs- und Fertigungsmethoden im Holzbau aufzeigen.
Raumerlebnis aus der Bewegung
Da die nur auf den ersten Blick punktsymmetrische Form in mehreren Umgebungen integrierbar sein muss, schafft sie durch die expressiven Übereck-Öffnungen Bezüge nach allen Richtungen. Die Raumschleife erschliesst sich aber erst in der Bewegung durch den gewundenen, höhlenartigen Bereich oder über die kleine “Terrasse” darüber, die von Sitzgelegenheiten für kleine Verschnaufpausen gesäumt ist. Je nach Blickrichtung und -distanz ändert der architektonische Ausdruck der aus 541 Einzelteilen zusammengefügten Konstruktion zwischen transparenten, durch ‹gepixelte› Wangen getragenen Schichten, einer Topographie, die an Reis-Terrassen erinnert.
Effizienz und Präzision dank digitaler Kette in der Fertigung
Bestimmend für die definitive Formgebung waren nebst räumlichen Überlegungen die Minimierung der Materialmenge, die im Laufe des Entwurfsprozess zu einer Kostenreduktion von 75% führte, sowie der Wunsch nach Ausdruck der statischen Möglichkeiten des Materials, welche an den verhältnismässig grossen Übereck-Auskragungen sichtbar werden. Die im heutigen Holzbau bereits übliche “digitale Kette”– also die Verwendung rein digitaler Information vom 3D-Modell bis zur Holzfräse – erlaubte eine effiziente Produktion bei sehr hoher Präzision, ohne die eine solche ‹toleranzlose›Konstruktion nur schwer realisierbar wäre.
Zeitgenössisches organisches Treppendesign
Für eines ihrer Bauprojekte hat sich das Londoner Atmos design studio ein speziell ausgefallenes Design für den Treppenaufgang einfallen lassen. Dieses Treppenhaus wurde komplett am Computer entworfen und die einzelnen Holzelemente wurden per CNC-Technik gefräst. Dieses organische Puzzle erlaubte gar, das bestehende Klötzchenparkett zu integrieren und so die vorhandene Bodenstruktur weiter zu führen.
Atmos design studio hat sich auf organische Holzkonstruktionen spezialisiert, eine Disziplin mit Potential.
“Struktur ist Architektur” – Cecil Balmond
Während Jahrhunderten bestimmte der rechte Winkel das Erscheinungsbild der Architektur. Doch spätestens seit Gaudí und Erich Mendelsohn gewannen organische Formen an Bedeutung. Nun eröffnen kreative Ingenieure mit nicht euklidischen Geometrien der Baukunst neue Möglichkeiten. Ihr Leitstern ist der 1943 in Sri Lanka geborene Cecil Balmond.
Trotz den Fähigkeiten des Computers stösst selbst das Formenrepertoire der schöpferischsten Architekten irgendwann an Grenzen, wie die Meisterwerke von Gehry, Zaha Hadid oder Santiago Calatrava zeigen. Während jedoch Calatrava, der als Ingenieur und Architekt gleichermassen über Statik und Ästhetik seiner Werke gebietet, sich in Sachen Formfindung im Kreise dreht, suchte Daniel Libeskind schon 1996, als er an der Erweiterung des Victoria and Albert Museum (V&A) in London arbeitete, die Inspiration des ingenieurwissenschaftlichen Querdenkers Cecil Balmond.
1943 in Colombo auf Sri Lanka geboren, wanderte Balmond 1961 nach Nigeria aus, wo er Mathematik studierte. Anschliessend vertiefte er sich im englischen Southampton ins Bauingenieurwesen, leitete aber auch einen Folk-Klub und trat selbst als Musiker auf. Nach der für ihn entscheidenden Aufnahme ins Büro Arup arbeitete der schnell als Tüftler, Erfinder und Künstler bewunderte Ingenieur mit Grössen wie Denys Lasdun und James Stirling zusammen, um schliesslich zum unkonventionellen Mitdenker von Rem Koolhaas zu werden.
Durch seine eigene Vorgehensweisen unterscheidet sich die Recherche von Balmond, der den Computer immer wieder mit phantastischen, einer ganzheitlichen Weltsicht entstammenden Ideen herausfordert, von jener der meisten Ingenieure und Architekten. Um sich von naheliegenden Bildern und Lösungswegen zu befreien, greift er etwa zurück auf mittelalterliche Zahlenmystik, pflanzliche Strukturen oder nicht euklidische Geometrien.
Die aus dem V&A-Projekt hervorgegangenen Erkenntnisse flossen ein in den Entwurf des Sommerpavillons der Londoner Serpentine Gallery, den Balmond 2001 mit Libeskind realisierte. Seither war er bei den meisten dieser innovativen Temporärbauten mitbeteiligt: 2005 fand er zusammen mit den Portugiesen Alvaro Siza und Eduardo Souto de Moura eine dynamisch ausbalancierte Antwort auf die kurvig kassettierten Deckengewölbe Pier Luigi Nervis, und im vergangenen Jahr schufen Balmond und Koolhaas ein atmendes, ballonartiges Pavillondach.
Das Opernhaus von Taichung auf Taiwan, das er mit Toyo Ito vollenden will, könnte ein wegweisender Bau werden. Hier wandelt sich das algorithmische Linienmuster zu einem wogenden kettenförmigen Gewebe, dessen netzartige Strukturen erst seit kurzem im Computer berechnet und nun sogar im Hochhausbau angewandt werden können.
In den letzten Jahren führte Balmond viele weitere Projekte mit namhaften Architekten und Künstlern wie u.a. Shigeru Ban und Anish Kapoor aus, viele weltweit beachtete Bauwerke tragen seine Handschrift. Der mehrfach mit wichtigen Preisen geehrte Architekt, Künstler, Designer, Forscher, und Schriftsteller wird von vielen Seiten als der weltweit beste Architekt der heutigen Zeit gehandelt.
Sein Credo lautet:
Struktur ist Architektur
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Greg Lynn, Vorreiter der Blob-Architektur
Greg Lynn, geboren 1964, studierte Architektur und Philosophie an der University of Ohio sowie an der Princeton University.
Er arbeitete unter anderem bei Architekt Peter Eisenman bis er 1994 sein eigenes Büro „Greg Lynn FORM“ gründet.

Lynn gilt als Vorreiter der so genannten „Blob-Architektur“ und unterrichtete unter anderem an der ETH in Zürich und an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Projekte, wie 1999 sein Prototyp für das embryologische Haus zeigten auf, wie Animationssoftware genutzt werden könnte, um die Massenproduktion von Gebäuden zu revoluzionieren, indem eine unendliche Zahl von Mutationen generiert werden konnte, jede von individueller Schönheit.
Greg Lynn pendelt zeitlebens irgendwo zwischen Theorie und Praxis, zwischen Softwareentwicklungen, Architekur und Design, so dass er seit Gründung seiner Firma erst an einem grösseren Bau, der Presbyterian Church in Queens beteiligt war, zusammen mit Doug Garofalo and Michael McInturf.


Mit der Realisierung des Bloom Hauses entstand ein starkes Werk. Speziell zur erwähnen ist das Innendesign: Wände und Rahmen sind verzerrt und die Inneneinrichtung ist ein wahres Designerparadies. Für die Wandmodellierung wurde hauptsächlich Fiberglas eingesetzt.
Seit 1993 hat Greg Lynn als Kultur- und Achitekturtheoretiker mehrere Bücher publizert, darunter „Intricacy“ (2003), „Animate Form“ (1998), „Folds, Bodies and Blobs: Collected Essays“ (1998) und „Folding in Architecture“ (1993).
Berühmt ist ebenfalls seine Ravioli Chair:

Nebenbei beschäftigt sich Greg Lynn mit dem Verfassen von Science Fiction Romanen oder sammelt altes Spielzeug, das er für die Herstellung von Salontischen oder Installationen verwendet:

Anbei weitere Arbeiten, die in Zusammenarbeit mit seinen Studenten oder anderen Entwicklern im Laufe der Zeit entstanden sind:






















