Die Architektur von Frank Gehry

Gehrys Bauten sehen aus, als hätten sie gerade ein Erdbeben überstanden. Das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Disney-Konzerthalle in Los Angeles oder der Neue Zollhof im Düsseldorfer Hafen – sie alle zeichnen sich durch kippende Linien, ineinander verschobene Räume und gebrochene Perspektiven aus. „Ich mag diese weißen Schuhschachteln nicht“, sagte Gehry in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, als er die von ihm neu gestaltete Art Gallery of Ontario (AGO) in Toronto vorstellte. „Neutralität ist nicht neutral, sie entwertet Kunst.“

Mit dem von der Kritik begeistert gefeierten Museumskomplex schuf Gehry erstmals ein Bauwerk in seiner kanadischen Heimat. 1929 als Sohn jüdischer Einwanderer aus Polen geboren, war Ephraim Goldberg – so sein bürgerlicher Name – in einfachsten Verhältnissen in Toronto aufgewachsen. „Meine Großmutter ging immer zu so einem kleinen Schreiner um die Ecke und holte Holzabfälle. Und dann setzte sie sich zu mir auf den Boden, und wir bauten Häuser und Städte und so’n Zeug“, erzählte er. „Ich weiß nicht, warum sie das gemacht hat. Aber es ist mein Leben geworden.“

Mit 17 geht Gehry nach Amerika, schlägt sich als Lastwagenfahrer durch und macht nach einem Architekturstudium in Los Angeles und Harvard 1962 schließlich sein eigenes Büro in Los Angeles auf. Es ist ein hartes Geschäft, bis er 1991 den Auftrag für das sechs Jahre später eröffnete Guggenheim-Museum in der baskischen Industriemetropole Bilbao bekommt. Sein an ein riesiges Traumschiff erinnerndes Design mit der spektakulären Dachkonstruktion aus silbern funkelndem Titan macht ihn international zum Guru der modernen Architektur.

„Ich weiß kaum, wie man einen Computer anmacht“

Weitere Markenzeichen werden das „Tanzende Haus“ in Prag, das „American Center“ in Paris und vor allem die 2003 nach einer langen Leidensgeschichte eingeweihte Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, die mit ihrer faszinierenden Mischung aus poliertem Edelstahl und warmem Holz als die vielleicht schönste Konzerthalle der Welt gilt. Zu den wichtigsten Bauten in Deutschland gehören neben dem Düsseldorfer Kunst- und Medienzentrum Rheinhafen der Gehry-Tower in Hannover und das Gebäude der DG-Bank am Pariser Platz in Berlin.

„Immer der gleiche Gehry, nur eine andere Stadt“, sagen Kritiker. Doch die meisten Menschen sind fasziniert von dem Mut, der Lebensfreude und der überbordenden Fantasie, mit denen der Pritzker-Preisträger seinem Material Leben verleiht.

Walt Disney Concert Hall, Los Angeles

Guggenheim Museum, Bilbao

DG Bank, Berlin

Medienhafen Düsseldorf - Tanzende Türme

Fisher Centre for Performing Arts, Annandale

Cleveland Clinic Lou Ruvo Center, Las Vegas

The Bean, Chicago

Maggie's Centre, Dundee/Schottland

Gehry-Stuhl

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