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Ginger und Fred

tanzendes haus1Dieses Gebäude ist eines der Wahrzeichen Prags und inspiriert von einem rationalen Dialog zwischen einem totalitären, statisch vertikalen Konzept auf der einen Seite und einem dynamischen, im gesellschaftlichen Umbruch begriffenen auf der anderen. Zudem erinnert es an eine Tänzerin im gläsernen Faltenkleid, die sich grazil an den Herrn mit Hut schmiegt.
tanzendes haus3 Aus diesem Grund wird es oft auch Ginger und Fred (nach Ginger Rogers und Fred Astaire) genannt.

Der dekonstruktivistische Bau führte bei seiner Fertigstellung im Juli 1996 zu einer leidenschaftlich geführten, hitzigen Diskussion, die seither jedoch weitgehend abflaute. Unterstützt wurde das Projekt durch den ehemaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel, der über Jahrzehnte in der Nähe des zunächst brach liegenden Grundstücks wohnte (das Gebäude, das sich dort befand, wurde bei einem Bombenangriff 1945 zerstört). Er erhoffte sich vom ursprünglich als Kulturzentrum geplanten Gebäude neue kulturelle Aktivität.
tanzendes haus2Heute beherbergt das Gebäude allerdings vorwiegend multinationale Firmen. Auf dem Dach befindet sich ein französisches Restaurant mit Blick auf die Prager Altstadt.

Entworfen wurde es vom im ehemaligen Jugoslawien (Zagreb) geborenen tschechischen Architekten Vlado Milunić in Kooperation mit dem kanadischen Architekten Frank Gehry.

Schräge Bank

Der im Jahr 1999 verstorbene holländische Architekt Anton (Ton) Alberts wurde durch der von ihm und Max van Huut entworfenen ING Bank (früherer Haupsitz) in Amsterdam berühmt.

Er war zudem Mitglied der legendären Situationistischen Internationale, bevor er 1960 ausgeschlossen wurde. In seinen Werken liess er sich von der organischen, im Speziellen der anthroposophischen Architektur Rudolf Steiners inspirieren.


Kurz vor seinem Tod anerbot er sich gratis an den Peace Parks in Bosnien Herzegovina zu arbeiten. Leider blieb es bei seinen Entwürfen, wobei das Peace Flame House nach ihnen erbaut und von der holländischen Peace Flame Foundation gestiftet wurde.

Die Verschmelzung von Nachhaltigkeit, Ökonomie und Effizienz

Snøhetta ist nicht nur der Name eines norwegischen Berges, sondern auch eines international bewunderten norwegischen Architekturbüros.

Snøhetta Architektur wurde von Kjetil Thorsen, Craig Dykers und Christoph Kapeller 1989 in Oslo gegründet. Das international tätige Team aus rund 100 Mitarbeitern teilt sich auf die beiden Büros in Oslo und New York auf. Die amerikanische Niederlassung entstand aus dem Umstand, dass Snøhetta den Wettbewerb zur Neugestaltung des National September 11 Memorial für sich bestreiten konnten.

Werte: Nachhaltigkeit, Ökonomie und Effizienz

Das Architektentrio von Snøhetta versteht Architektur nicht ausschließlich als ein nach Regeln entworfenes Konstrukt, vielmehr soll Architektur einen gesellschaftlichen Nutzen erfüllen. Großen Wert legen die drei auch auf eine nachhaltige und ökonomisch möglichst effiziente Bauweise. „Individuelle Lösungen passen sich der Kultur, dem Klima und dem Ökosystem jeweils optimal an.“

In Zusammenarbeit mit international angesehenen Künstlern entstehen originelle und die Gegenwart prägende Bauprojekte, einzuordnen irgendwo zwischen Zaha Hadid und Bjarke Ingels Group.

Für das Opern- und Baletthaus in Oslo bekam das Architekturbüro Snøhetta Architektur 2009 den Mies van der Rohe Award für Europäische Architektur.

Weitere Projekte von Snøhetta Architektur:


Rak Gateway Project, New Town Ras al Kaimah


King Abdulaziz Center for Knowledge and Culture in Saudi-Arabia


Max-Lab in Lund, Sweden


Ocean Space Center, Trondheim, Norwegen

Claude Parents radikaler Modernismus

Als der Architekt Claude Parent in den sechziger Jahren zusammen mit dem neun Jahre jüngeren Philosophen Paul Virilio in seinem Jeep durch Dünenlandschaften des ehemaligen Atlantikwalls fuhr, hielten sie an einem Bunker, der zur Hälfte im weichen Sand versunken war, und traten durch eine enge Öffnung hinein. Es war ein merkwürdiger Raum: Der Boden war so schräg, dass man nicht wusste, ob das, worauf man stand, ein gekippter Boden oder eine ehemalige Wand war, überhaupt hatten Begriffe wie „Wand“, „Boden“, „oben“ und „unten“ hier drinnen keinen Sinn mehr.

Parent war damals, mit Ende dreißig, ein bekannter Architekt: Er hatte im Atelier von Le Corbusier gearbeitet; und den amerikanischen Bungalow-Modernismus nach Frankreich gebracht; er hatte für den Künstler André Bloc ein Haus aus kunstvoll übereinandergestapelten Kisten entworfen,  zusammen mit Yves Klein eine pneumatische Rakete erfunden und ein Auto, das aussah wie eine überdimensionierte Fliege. Claude Parent war einer der erfolgreichsten Architekten seiner Generation und trotzdem eher unbekannt.

Er begann, die Dinge aus dem Gleichgewicht zu bringen und beschloss, nur noch schräge Böden zu bauen.

Parent wurde zu einem der wichtigsten Sozialutopiker der neueren Architekturgeschichte und unterrichtete Schüler wie unter anderem Jean Nouvel. Parent wurde als Held der Dekonstruktion gefeiert, als einer der Ersten, die Derridas Theorie ins Feld der Konstruktion überführten: ein bestehendes System nicht zu zerstören, sondern auseinanderzunehmen und in einer neuen, spielerischen, weniger hierarchischen Weise wieder zusammenzusetzen.

Er war und ist Monsieur Vollgas, und im Sinne seines futuristischen Expansionismus waren Supermärkte eine ebenso gute Sache wie das Wohnen auf Abschussrampen und das, was seinen Ruf unter Architekten und Gesellschaftstheoretikern endgültig ruinieren sollte: die französischen Atomkraftwerke, denn für ihn gab es nichts Schnelleres, Kraftvolleres als das Atom. Es war für iihn eine Riesenaufgabe, diese Energie in Form zu bringen, zu bändigen. Parent fand alles, was mit Atom und Teilchenbeschleunigung zu tun hatte, gut. Es war groß und modern. Über Atommüll hatte man damals so wenig nachgedacht wie über Abgase. So einfach war das.

Leben im Stahl

Ganze 110 Tonnen Stahl hat der Künstler Robert Bruno seit 1974 Stück für Stück zu einer riesigen Skulptur zusammengeschweisst. Das Wachsen des Hauses gehört zum künstlerischen Konzept. Durch die Eigenschaften des Stahls wird die Hülle selbst zur Struktur. Da das Haus auf Säulen steht wirkt es trotz seines immensen Gewichts federleicht und trotz der Kälte des Materials strahlt die Rostfarbe Wärme aus. Zu bewundern ist es nahe der Stadt Lubbock in Texas.

Die Architektur von Frank Gehry

Gehrys Bauten sehen aus, als hätten sie gerade ein Erdbeben überstanden. Das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Disney-Konzerthalle in Los Angeles oder der Neue Zollhof im Düsseldorfer Hafen – sie alle zeichnen sich durch kippende Linien, ineinander verschobene Räume und gebrochene Perspektiven aus. „Ich mag diese weißen Schuhschachteln nicht“, sagte Gehry in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, als er die von ihm neu gestaltete Art Gallery of Ontario (AGO) in Toronto vorstellte. „Neutralität ist nicht neutral, sie entwertet Kunst.“

Mit dem von der Kritik begeistert gefeierten Museumskomplex schuf Gehry erstmals ein Bauwerk in seiner kanadischen Heimat. 1929 als Sohn jüdischer Einwanderer aus Polen geboren, war Ephraim Goldberg – so sein bürgerlicher Name – in einfachsten Verhältnissen in Toronto aufgewachsen. „Meine Großmutter ging immer zu so einem kleinen Schreiner um die Ecke und holte Holzabfälle. Und dann setzte sie sich zu mir auf den Boden, und wir bauten Häuser und Städte und so’n Zeug“, erzählte er. „Ich weiß nicht, warum sie das gemacht hat. Aber es ist mein Leben geworden.“

Mit 17 geht Gehry nach Amerika, schlägt sich als Lastwagenfahrer durch und macht nach einem Architekturstudium in Los Angeles und Harvard 1962 schließlich sein eigenes Büro in Los Angeles auf. Es ist ein hartes Geschäft, bis er 1991 den Auftrag für das sechs Jahre später eröffnete Guggenheim-Museum in der baskischen Industriemetropole Bilbao bekommt. Sein an ein riesiges Traumschiff erinnerndes Design mit der spektakulären Dachkonstruktion aus silbern funkelndem Titan macht ihn international zum Guru der modernen Architektur.

„Ich weiß kaum, wie man einen Computer anmacht“

Weitere Markenzeichen werden das „Tanzende Haus“ in Prag, das „American Center“ in Paris und vor allem die 2003 nach einer langen Leidensgeschichte eingeweihte Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, die mit ihrer faszinierenden Mischung aus poliertem Edelstahl und warmem Holz als die vielleicht schönste Konzerthalle der Welt gilt. Zu den wichtigsten Bauten in Deutschland gehören neben dem Düsseldorfer Kunst- und Medienzentrum Rheinhafen der Gehry-Tower in Hannover und das Gebäude der DG-Bank am Pariser Platz in Berlin.

„Immer der gleiche Gehry, nur eine andere Stadt“, sagen Kritiker. Doch die meisten Menschen sind fasziniert von dem Mut, der Lebensfreude und der überbordenden Fantasie, mit denen der Pritzker-Preisträger seinem Material Leben verleiht.

Walt Disney Concert Hall, Los Angeles

Guggenheim Museum, Bilbao

DG Bank, Berlin

Medienhafen Düsseldorf - Tanzende Türme

Fisher Centre for Performing Arts, Annandale

Cleveland Clinic Lou Ruvo Center, Las Vegas

The Bean, Chicago

Maggie's Centre, Dundee/Schottland

Gehry-Stuhl

Michel Rojkind

Michel Rojkind ist noch nicht einmal 40 Jahre alt und entwirft erst seit etwas über 10 Jahren Gebäude.

Seit 2002 besitzt Rojkind mit „rojkind arquitectos“ ein eigenes Büro in Mexiko-Stadt, das 2005 vom Branchen-Fachblatt „Architectural Record“ bereits als eine der 10 besten „Design-Avantgarde“-Firmen der Welt anerkannt wurde. Bisher hat Rojkind etwa 15 Projekt in Mexiko verwirklicht. Verschiedene weitere internationale Projekte laufen derzeit, und er ist bei Ausschreibungen in Kanada und Spanien in der engeren Wahl.

Michel Rojkind’s Architektur ist irgendwo zwischen dem Dekonstruktivismus, der biomorphen und der organischen Architektur anzusiedeln. Zwar bedient er sich Strukturen und Form, die in der Natur vorkommen, wie die typischen Wabenmuster, trotzdem erkennt man seinen eigenwilligen Stil mit seinen Brüchen und Ecken sofort wieder. Ein Architekt, der sich nicht umsonst Javier Senosiain als Vorbild genommen hat, obschon seine Werke sich deutlich unterscheiden.

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