Tag Archive | Geodäsie

HavvAda, die Inselstadt

havvada1Designer und Architekt Dror Benshetrit hat eine spektakuläre Lösung für ein schier unlösbares Problem in der Türkei: Alle paar hundert Jahre schlägt ein Politiker oder ein Ingenieur eine Idee für die direkte Verbindung vom Schwarzen Meer zum Marmarameer durch einen Kanal vor. Der türkische Premierminister  Recep Tayyip Erdoğan ist ein feuriger Anhänger dieser Idee, doch bisher wusste man schlicht nicht, wohin mit der unglaublichen Menge von einer Milliarde Kubikmeter Aushub. Benshetrit schlägt hierfür den Bau einer künstlichen Insel mit sechs Erhebungen vor, einer Stadt namens HavvAda, die 300’000 Bewohner und viele Geschäfte, Büros und Parks beherbergen soll.havvada5 havvada4

Das chinesische Öko – Silikon Valley

Mentougou-Eco-Valley-7Die bergige Landschaft von Miaofeng, nur 30 Kilometer westlich von Peking soll zum neuen „ökologischen Silikon Valley“ werden. Eine moderne Stadt, die Mentougou-Eco-Valley-3Forschungsinstitute und Wohnen kombiniert.
Der Masterplan dieser Öko-City wurde von Eriksson Architects in Zusammenarbeit mit den finnischen Experten Eero Paloheimo Eco City Ltd entwickelt. Umweltfreundlich, CO2-neutral, erneuerbare Energie sind die Prämisse. Man geht davon aus, dass diese Stadt nur einen Drittel einer vergleichbaren Stadt verbraucht.Mentougou-Eco-Valley-11

Geodätische Erdhäuser

Wir kennen bereits viele Gebäudeformen aus Polyeder. Buckminster Fuller ist wohl der bekannteste Vertreter der Architekten, die sich intensiv mit diesen Formen auseinandergesetzt haben.

Die Firma „Geodesic Earthworks“ von James W. Garofalo aus South Carolina hat ein Polyeder-System patentieren lassen, das – mit Erde angehäuft – als Erdhaus zum Einsatz kommen kann.

Leider ist nicht ersichtlich, ob die Firma aus dem Projektstadium hinaus wuchs und ob jemals solche Gebäude errichtet wurden.

Leben im Fussball

Easy Domes Ltd. unter Kári Thomsen vertreibt vorgefertigte Bauten in Form eines abgestumpften Ikosaeders, die beliebig vegrössert oder angebaut werden können.

Das System überzeugt durch den Preis, den schnellen Aufbau und die ausserordentliche Stabilität und Beständigkeit. Demo-Häuser können in Dänemark und auf den Färöer Inseln besichtigt werden.

Eine ähnliche Polyeder-Form verwendet der kolumbianische Architekt Manuel Villa für seine Art kleine Ruheoase:

Der Leonardo da Vinci des 20. Jahrhunderts

Richard Buckminster Fuller (1895–1983) hat mehr Anleitungen zu der sich ändernden Umwelt hinterlassen als jeder andere große Wegbereiter der modernen Architektur. Der Entwurf geodätischer Kuppeln machte ihn berühmt – vor allem sein Ausstellungspavillon für die USA zur Expo 1967 setzte Zeichen. Dabei war Buckminster Fuller nicht nur Architekt, sondern auch Ingenieur, Designer, Zukunftsforscher, Schriftsteller und sogar Schauspieler – ein umfassender Denker, der sich mit den Problemen des Alltags auseinandersetzte und nach Lösungen suchte.

Als einer der ersten hat Fuller das Wirken der Natur als durchgängiges systemisches Wirken unter ökonomischen Prinzipien (Material- und Energie-Effizienz) gesehen. Seine Theorien und Überlegungen bezogen sich unter anderem auf neue Wohnformen, Kraftfahrzeugbau und Kartografie. In seiner Arbeitsweise war Buckminster Fuller Vorreiter für die heutigen CAD-Bauten oder der «Hightech-Architektur». Nicht nur dass er mit der Nutzung von Vorfertigungen, flexiblen Systemen und Synergien konzeptionell in die gleiche Richtung gearbeitet hatte, sondern er nahm auch ganz konkret schon Mitte der 60er beim Bau des Expo-Pavillons in Montreal den Computer zur Hilfe, um seine komplexe Konstruktion zu berechnen.

Fuller verstand sich selbst als «anticipatory design scientist». Während Architekten wie Philip Johnson den Autodidakten herablassend als Erfinder, Guru oder Poeten bezeichneten und ihn nicht als Mitglied ihrer Zunft akzeptierten, stieß sein interdisziplinärer Ansatz bei Künstlern auf starkes Interesse. Während die Dymaxion-Projekte kaum über das Prototypenstadium hinauskamen, wurden die Kuppeln zu Fullers erfolgreichster Erfindung.

Perfekt verkörperten die aus einem filigranen Netz aus Dreiecken zusammengefügten Gebilde seine pragmatische Devise «Doing more with less»: Die gestellte Aufgabe sollte möglichst ressourcenschonend gelöst werden. Es galt, mit minimalem Energie- und Materialaufwand maximale Effizienz zu erzielen.

Bereits in den 1950ern prägte Fuller den Begriff «spaceship earth» – als Metapher für eine globale Sicht auf das ökologische System unseres Planeten. Sein populäres Buch «Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde» (1969) ließ ihn zum Guru der beginnenden Öko-Bewegung werden, er galt als einer der ersten Propagandisten der Nachhaltigkeit. Fuller glaubte fest daran, dass wir die Möglichkeit besitzen, selbst unlösbar scheinende Probleme zu bewältigen, eben durch visionäres, experimentell orientiertes Denken, aus dem technologischer Fortschritt resultiert. Das macht seine pragmatischen Utopien gerade jetzt so wichtig – nicht nur für Künstler.

Und auch die aktuelle Architektur ist heute noch von Fullers eleganten Geometrien, die zukunftsweisenden Konstruktionsprinzipien sowie sein ganzheitliches Denken geprägt: Allem voran sind hier zum Beispiel Norman Fosters aufgrund seines Netzes aus dreieckigen Fenstern an einen gigantischen Tannenzapfen erinnernder Turm in der Londoner City oder Santiago Calatravas Kuppelbau «L’Hemisfèric» für ein Science Center in Valencia.

Die im Marta Herford präsentierte Zusammenstellung seiner wichtigsten Projekte aus ganz unterschiedlichen Arbeitsfeldern basierte auf der Präsentation des Werkes von Richard Buckminster Fuller in zehn Kapiteln, wie sie 2010 von Lord Norman Foster für die Ivorypress-Galerie in Madrid erarbeitet wurde:

1) 4D Thinking – Light Works for the Planet
2) The Dymaxion Experiment – From House to Shelter
3) Streamlined Transport – The Dymaxion Car
4) Dymaxion Deployments – Bathroom, DDU and Wichita House
5) Geometrical Explorations – From the Sphere to the Globe
6) The Notion of Tensegrity – Structures and Sculptures
7) A Geodesic Revolution – Domes for the World
8) Utopian Proposals – Cities in Spaceship Earth
9) Projects with Foster – A Visionary Realism
10) ‚Whole Earth‘ Fuller – An Alternative Hero

Der Leichtbau von Frei Otto

Frei Otto ist einer der innovativsten deutschen Architekten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er lehrte am MIT in Cambridge, bevor er 1964 in Stuttgart das Institut für leichte Flächentragwerke gründete, ein Forschungsinstitut mit Weltruf. Seine intensive Beschäftigung mit der Natur und das Studium der Naturformen haben ihn sinnvolle Strukturen entwickeln lassen, die sich erarbeitet in zahllosen Experimenten am Modell aus den Gegebenheiten bildeten und nie dem Gebäude auferlegt wurden. Zu seinen Hauptwerken gehören der Deutsche Pavillon für die Weltausstellung 1967 in Montreal; das Münchner Olympiadach (mit Günter Behnisch), die Ökohäuser der IBA 1985 in Berlin, zahlreiche Zeltbauten für Saudi-Arabien, temporäre Zelt- und Schirmkonstruktionen, z.B. für die «Pink Floyd»-Tournee 1977, Mitarbeit am japanischen Pavillon für die EXPO 2000 in Hannover und am Großprojekt Hauptbahnhof Stuttgart, uvm.

Beitrag aus art 2/85 zu Frei Otto.


%d Bloggern gefällt das: