Tag Archive | Muschel

Die Muschelkirche

Im Jahre 1680 gründete Jean-Baptiste de la Salle den Orden „Die Brüder der Christlichen Schulen„, eine religiöse Bruderschaft von Männern, denen die Erziehung von Jungen am Herzen lag. Der Orden wuchs und gedieh, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterrichteten über 6000 Brüder in Frankreich.

1904 kam eine Gruppe von De La Salle Brüdern nach Guernsey und erwarb Les Vauxbelets (=die schönen, kleinen Täler).

Im Dezember 1913 kam der Bruder Déodat nach Guernsey. Als er das bewaldete, hügelige Gelände sah, das sich zum Tal hin neigte, nahm er sich vor, eine Grotte wie die in Lourdes zu bauen. Im März 1914 baute er eine winzige Kapelle, etwa drei Meter lang und eineinhalb Meter breit. Diese Kapelle wurde recht kritisch betrachtet und Déodat verbrachte die folgende Nacht damit, das Gebäude wieder abzureissen. Das war das Ende der ersten Kapelle.

Aber bald fing er wieder mit der Arbeit an, und im Juli 1914 war die Grotte fertig und offiziell eingeweiht. Kurz darauf baute er eine kleine Kapelle, drei Meter lang und zwei Meter breit. Diese Kapelle stand bis September 1923. Dann riss Bruder Déodat auch diese Kapelle wieder ab, weil der Bischof von Portsmouth sich nicht durch den engen Eingang zwängen konnte. Und so endete die zweite Kapelle.

Bruder Déodat machte sich bald daran, eine dritte Kapelle zu bauen, und diese Kapelle steht noch heute. Die Bauarbeiten waren mühselig. Jeden Tag sammelte er Muscheln, Kieselsteine und Porzellanscherben, um den Schrein zu schmücken.
Dann wurde die kleine Kapelle plötzlich berühmt, als ein bebildeter Artikel über sie im Daily Mirror erschien. Jetzt brachten Inselbewohner bunte Scherben nach Les Vauxbelets, so dass über die Jahre ein schmuckes Wunderwerk entstand.

 

Eine Muschel zum Kuscheln

Dieses unvergleichliche, muschelförmige Haus besteht aus Beton, Muscheln und Korallen. Keine Ecken sind zu finden, weder aussen, noch innen. Der Bewohner ist zugleich der Erbauer, der mexikanische Surrealist und Künstler Octavio Ocampo.

 

Der Thesaurus von Albertus Seba

Albert Seba (auch Albertus Seba; 1665 – 1736) war ein deutsch-holländischer Apotheker und berühmter Naturaliensammler. Als Herausgeber des „Thesaurus“, einer umfangreichen Buchausgabe mit Darstellungen und Beschreibungen aller Objekte seiner Sammlung, gehörte er zu den Vorläufern der großen Enzyklopädisten des 18. Jahrhunderts Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d’Alembert, also fast zwei Jahrhunderte vor Ernst Haeckel.

Schon früh begann Seba, eine Sammlung von „Naturalien“ anzulegen, darunter verstand man organische Objekte aller Art, vor allem präparierte Tiere und Pflanzen, aber auch Mineralien. Amsterdam war eine Metropole des Überseehandels und daher besonders dafür geeignet, eine solche Kollektion zusammenzutragen. Auf diese Weise entstand in relativ kurzer Zeit eine Sammlung, deren Ruf weit über die Grenzen Amsterdams hinausreichte.

Um 1730 beschloss Albertus Seba, diese in Buchform darzustellen und zu veröffentlichen. In der Folge arbeiteten mindestens 13 Zeichner und Kupferstecher jahrelang an der Ausführung der 446 großformatigen Tafeln.

Insgesamt war der „Thesaurus“ eine ganz außerordentliche Leistung. Als frühes Standardwerk der Biologie gehörte er zum Bestand aller Universitätsbibliotheken. Derart umfassend war der Artenreichtum der Erde bisher nicht gezeigt worden, viele Wissenschaftler benutzten deshalb das Werk für ihre Arbeit. Der schwedische Botaniker Carl von Linné (Carolus Linnaeus) hatte während seines Aufenthalts in Holland Kontakt mit Seba. In seiner grundlegenden Arbeit „Systema Naturae“ verwies er insgesamt 284mal auf Sebas „Thesaurus“.

Mutig, mutiger, Müther

Ulrich Müther (* 21. Juli 1934 in Binz, Rügen, † 21. August 2007 ebenda) war ein deutscher Bauingenieur und Bauunternehmer. Er entwarf und baute mehr als 50 Schalen-Bauwerke, in der Fachsprache: doppelt gekrümmte Beton-Schalentragwerke, und wurde dadurch zu einem Exponenten der architektonischen Moderne.

Seine Diplomarbeit handelte über „hyperbolische Paraboloide“, die er kurz „Hyparschalen“ nannte. Diese bestehen aus einem Netz von Stahlträgern, das aus Geraden zweifach gekrümmte Flächen erzeugt.

Sowohl in der DDR als auch nach der Wiedervereinigung war Müther ein Einzelgänger unter den Architekten, er selbst nannte sich selbstironisch und zurückhaltend einen „Landbaumeister aus Rügen“. Sein lebenslanger Lehrmeister war für ihn Félix Candela (1910–1997), der Pionier des Betonschalenbaus.

Auswahl einige seiner Werke:

Planetarium Wolfsburg

Rettungsstation in Binz

Rettungsstation in Binz

Musikpavillon Kurmuschel Sassnitz

Teepott Warnemünde

Die Grazer Murinsel

Die Grazer Murinsel ist eine schwimmende Plattform, die 2003 in der Mur inmitten von Graz errichtet wurde, um im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres neben dem Schlossberg ein zweites und modernes Wahrzeichen der Stadt zu schaffen. Anliegen der Projektbetreiber war, Architektur und Kunst im öffentlichen Raum mit dem Erlebnis Wasser im Zentrum der Stadt zu verbinden.

Nach einer Idee des Grazers Robert Punkenhofer, des Gründers und Direktors von ART&IDEA, schuf der New Yorker Künstler und Designer Vito Acconci ein spektakuläres Objekt: Eine 50 m lange und 20 m breite Muschelform, die ein Amphitheater und einen rundlichen „Dom“ umfasst. Die künstliche Landschaft, aus der Verbindung der Formen „Kuppel“ und „Muschel“ entsteht, ist für rund 350 Besucher konzipiert. Die Insel ist komplett abbaubar und transportierbar.

%d Bloggern gefällt das: