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Die Geburt des Neuen Bauens

Zu den wichtigsten Arbeiten des bedeutenden Architekten und Architekturtheoretikers Hugo Häring gehört neben der berühmten Gutsanlage Garkau in Ostholstein (1922-1928) und zwei Projekten in Rio de Janeiro auch sein Beitrag für den Berliner Wohnungsbau der Zwanziger Jahre. Einige seiner Bauten wurden während dem Weltkrieg zerstört.

Häring gilt als einer der wichtigsten Initiatoren des Neuen Bauens. Seine Beobachtungen und Gedanken zur Baukunst gehören zu den wesentlichen Grundlagen der Organischen Architektur, die besonders der Architekt Hans Scharoun aufgriff.

Häring hatte in seinen frühen Jahren ein gemeinsames Büro mit dem Architekten Ludwig Mies van der Rohe, bevor dieser später Weltruhm erlangte.

Haeckel als Wegbereiter der organischen Neuroästhetik

Ernst Haeckel (1838-1919) sah die Biologie in Vielem mit der Kunst verwandt. Er suchte nach einer neurobiologischen Erklärung für das Schönheitsempfinden. So gehört die Wahrnehmung der Schönheit der Landschaft für ihn “ … durch die physiologischen Funktionen der Nervenzellen unserer Großhirnrinde, die diese ästhetischen Genüsse bewirken … zu den vollkommensten Leistungen des organischen Lebens“. Seine künstlerische Begabung wurde durch Symmetrien in der Natur stark angesprochen, unter anderem der von Einzellern wie Radiolarien. Besondere Berühmtheit erlangten seine Abbildungen von Planktonorganismen und Quallen, die die biologische Welt in eindrucksvoller Schönheit darstellten. Seine Darstellungen beeinflussten die Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts. So beruhen die Glaslüster im Ozeanischen Museum Monaco von Constant Roux ebenso auf Vorlagen Haeckels wie das monumentale Tor des französischen Architekten René Binet auf der Pariser Weltausstellung 1900. Binets von Haeckel inspiriertes Tafelwerk „Esquisses décoratives“ wurde zu einer Grundlage des Art nouveau (Jugendstil).

Die Berliner Kapelle der Versöhnung

Die Kapelle greift den Namen der gesprengten Versöhnungskirche auf und verbindet ihn mit dem Versöhnungsauftrag an einem Ort im ehemaligen Todesstreifen der Mauer.

Geschichte + Einweihung
Die Kapelle der Versöhnung hatte am zehnten Jahrestag des Falls der Berliner Mauer 1999 Richtfest. Die alte Kirche von 1894 lag seit 1961, nach der Teilung der Stadt durch den Mauerbau, unerreichbar für die Gemeinde im Todesstreifen der Mauer. Deshalb wurde 1965 für die Heimatlose Gemeinde ein neues Gemeindezentrum an der Bernauer Strasse gebaut. 1985 wurde die Kirche im Todesstreifen gesprengt.

Nach der Maueröffnung 1989 erhielt die Gemeinde 1995 ihr „Mauergrundstück“ mit der Auflage der Sakralnutzung zurück. Die geretteten Glocken der alten Kirche wurden am ursprünglichen Ort wieder in Gebrauch genommen. Der gerettete Altar in der neuen Kapelle aufgestellt.

Bauplanung
Nach den Plänen der Berliner Architekten Peter Sassenroth und Rudolf Reitermann entstand auf den Fundamenten der alten Kirche für die Gemeinde und für die Besucher der Gedenkstätte „Berliner Mauer“ die „Kapelle der Versöhnung“ als ein Ort der Besinnung und Andacht.
Umbaut wurde der alte Chorraum, der markierte Grundriß der alten Kirche bleibt frei. Im Eingangsbereich des Grundstücks wurden die Glocken in einem Läutegerüst aufgehängt. Über der ausgegrabenen und sichtbaren Kellertreppe mit Resten der beim „Mauerbau“ zugemauerten Kellertür der alten Versöhnungskirche ist die Nische für das alte Altarbild errichtet, die als Lichtschacht das kupferbeschlagene Dach überragt. Daran schließt der ovale nach Osten ausgerichtete Kern der Kapelle aus massivem Stampflehm an, der von einer axial auf die Hussitenstraße ausgerichten, transluzenten Hülle umschlossen wird.

Bauausführung
Die Kapelle ist das erste große öffentliche Neubauprojekt in Stampflehmbauweise seit über 150 Jahren in Deutschland. Die Ausführung des Stampflehmbaus übernahm Martin Rauch, LEHM TON ERDE, Baukunst GmbH Schlins / Österreich. Die Stampflehmarbeiten wurden durch den Arbeitseinsatz von jungen Freiwilligen aus vierzehn europäischen Ländern unterstützt. Die Workshops wurden vom Arbeitskreis Denkmalpflege e.V. und vom Netzwerk Offene Häuser e. V. organisiert und koordiniert.
Das Lehmgutachten und die Fremdüberwachung des Stampflehmbaus hatte die TU-Berlin Fachbereich Architektur Prof. Dr.-Ing., Dr.-Ing. E.h. Klaus Dierks und Dipl.-Ing. Christof Ziegert übernommen.

Der Einsteinturm in Potsdam

Dieses Observatorium wurde zwischen 1919 und 1922 vom jüdischen Architekten Erich Mendelsohn erbaut. Es liegt auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Hier sollte die Gültigkeit von Einsteins Relativitätstheorie experimentell bestätigt werden.

Der Architekt Richard Neutra, seinerzeit bei Mendelsohn beschäftigt, gestaltete das Gelände rings um den Turm. Das Gebäude wird meist als herausragendes Beispiel expressionistischer Architektur bezeichnet. Zu erkennen sind aber auch entfernte Anklänge an den Jugendstil. Einstein fasste seine Eindrücke mit dem Wort: „Organisch!“ zusammen, eine Bewertung, mit der Mendelsohn durchaus einverstanden war.

Im Eingangsbereich des Turmes wird heute eine Bronzebüste Einsteins gezeigt, die ursprünglich im Arbeitszimmer des Observatoriums gestanden hatte. 1933, gleich nach Beginn der antisemitischen Diktatur der Nationalsozialisten, verlor der Einsteinturm seinen Namen und seinen Status als selbständiges Institut, Abbildungen Einsteins wurden entfernt, Skulpturen sollten eingeschmolzen werden. Nach 1945 zeigte sich, dass Mitarbeiter die Porträtbüste, die nun unten im Turm zu sehen ist, gerettet und hinter Kisten im Spektographenraum aufbewahrt hatten.

Wenige Meter vor der Treppe zum Einsteinturm kann man im Pflaster des Vorplatzes ein etwa faustgroßes Kunstobjekt finden – die inzwischen durch Abnutzung glänzende, bronzene, stark verkleinerte Wiedergabe des menschlichen Gehirns, in die vier Zeichen eingeprägt sind: 3SEC. Die kleine Skulptur bezieht sich auf eine wissenschaftliche These von Ernst Pöppel, wonach „das Erleben der Kontinuität auf einer Illusion beruht. Kontinuität kommt zustande durch die Vernetzung der Inhalte, die jeweils in einem drei Sekunden dauernden Zeitfenster repräsentiert sind. Wir rekonstruieren die zeitliche Kontinuität aufgrund dessen, was in den einzelnen Bewusstseinsinseln repräsentiert ist“.

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