Tag Archive | Schalenbauwerk

Ort der ewigen Ruhe

chapel rest1Die Kapelle der Ruhe am Steinfeld Friedhof in Graz hat die Form von zwei geschwungenen Schalungselementen, die zwei empfängliche Hände darstellen. Entworfen wurde sie von den Grazer Hofrichter – Ritter Architekten, erstellt wurde sie im Jahr 2011.
chapel rest2Neben der aussergewöhnlichen Form besticht die Funktionalität: Nach der Abschiedsfeier wird der Verstorbene in einem Trauerzug durch einen separaten Eingang aus dem Gebäude auf den Friedhof begleitet.
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Abhängig von der Wahl der Sitzordnung kann die Kapelle der Ruhe bis zu 100 Personen Platz bieten. In besonderen Fällen können größere Beerdigungen auch durch Öffnung der nördlichen Glaswand und dank den großzügigen Abmessungen des offenen Vorplatz stattfinden.

Ein Erdhaus, innert wenigen Tagen gebaut

Das Greenhose System von der Firma Colfibrex bietet Erdhäuser an, die günstig, ohne viel Aufwand und in kurzer Zeit gebaut werden können. Dies dank einfachen, vorfabrizierten und modular änderbaren Schalenkonstruktionen. Diese bestehen aus Faserverbundkunststoff, FVK.

Islers Schalen

Die Natur als formende Kraft übte auf den jungen Heinz Isler (1926 – 2009) bereits eine grosse Faszination aus. Sein Professor an der ETH Zürich, Pierre Lardy, förderte eine Entwurfsmethode, die im Kern nicht mathematisch, sondern auf Modellversuche ausgerichtet war. Isler fand in seiner experimentellen Neugierde zwischen 1954 und 1963 eine morphologisch begründete Typologie von Formen, die er als Buckelschalen, Hängeformen oder Fliessformen bezeichnet. Diese erinnern stark an die Schalentragwerke von  Ulrich Müther, Felix Candela oder entfernt auch an die Bauten von Santiago Calatrava.

Die Schalenbauwerke von Felix Candela

Der spanische Architekt und Ingenieur Felix Candela (1910-1997) entwarf und baute vor allem in Mexiko-Stadt und Cuernavaca, Morelos sensationelle und wegweisende Bauwerke aus  dünnen Betonschalen.  Berühmt wurden unter anderem seine Bauten wie das Café „Los Manantiales“ (1958) in Xochimilco, Mexico,
die Kapelle  „Mirador de Palmira“ (1959) in Cuernavaca, Mor., der Sportpalast (1968) in Mexiko Stadt oder die Bacardi-Fabrik, Cuautitlán, Mexiko (1959-1960, in Zusammenarbeit mit Ludwig Mies van der Rohe).
Seine Heimatstadt Madrid, die Fundación Juanelo Turriano und die Universidad Politécnica de Madrid würdigten sein Werk anlässlich seines 100. Geburtstages mit der Ausstellung « Félix Candela: La Conquista de la Esbeltez » (Künstler der Konstruktion).

Schalenbauwerke sind räumliche Tragwerke aus dünnen, doppelt gekrümmten Betonflächen, deren Konstruktion auf das statisch Notwendige reduziert ist. Sie tragen sich durch ihre Geometrie (oftmals hyperbolisch-parabolische Formen) quasi selbst: eine rationale und optimierte Bauweise. Diese Schalenbauwerke überzeugen durch klare und verständliche Formen und setzen damit die architektonischen Ideale der Moderne gestalterisch um. Félix Candela ist einer der virtuosesten Vertreter dieser Bauform, weil er es mehr als andere verstand, hauchdünne und gleichzeitig weit gespannte Schalen und Schirme mit einer außergewöhnlich breit gefächerten Formensprache zu entwerfen. Sie haben bis zu 30 Meter Spannweite und sind meist nur 4 Zentimeter dick.

Candela gelang es, den Baustoff in wohl durchdachte und konstruktiv optimierte Formen zu bringen, und entwarf so Ingenieurbauwerke von eindrucksvoller Eleganz und Schönheit. In seinem mexikanischen Exil experimentierte er mit weit gespannten Schalen und untersuchte ihr Tragverhalten. 1950 gründete er in Mexiko seine eigene Firma „Cubiertas Ala“ (Dächer wie Flügel), mit der er in zwei Jahrzehnten mehr als 800 Schalenbauwerke entwarf, darunter auch das Museum l’oceanogràfic in Valencia, gemeinsam mit Santiago Calatrava.

Sydney Opera House

Das Sydney Opera House gilt als eines der markantesten und berühmtesten Gebäude des 20. Jahrhunderts. Es geht auf den Entwurf des dänischen Architekten und Pritzker-Preis-Trägers Jørn Utzon zurück. 2007 ehrte die UNESCO das Haus als UNESCO-Welterbe.

Neben der charkteristischen Schalen- oder Muschelform besticht das Gebäude mit seiner unvergleichlichen Akkustik und extrem feinen Struktur der Dachfliesen. Viele Australier sahen im Gebäude die Form eines Segels. In den 1990er Jahren eröffnete der Architekt aber, dass die Segmente einer Orange der Formgebung zugrunde liegen.

1959 begannen die Bauarbeiten. Die gekrümmten Schalen des Daches bereiteten jedoch große Probleme, da sie nur schwer zu berechnen waren. Oft war architektonisches Neuland zu betreten und Probleme wurden bereinigt, wie sie sich stellten. Der Entwurf musste des Öfteren an neue Realitäten angepasst werden. Allein die komplexe Geometrien am Dach wurde in sechs Jahren über zwölf Mal neu entworfen. Mit Lochkarten gesteuerte Computer brauchten 18 Monate, um die Krümmungen und die Statik aller Dächer zu berechnen.Es wurden 44 Zeichner damit beschäftigt, um mehr als tausendsiebenhundert Pläne für die Dachkonstruktion zu erstellen.

Utzon sollte mit den Bauarbeiten beginnen, bevor sämtliche Kostenanalysen und alle technischen Probleme gelöst waren. Daher war keine genaue Kostenberechnung und auch keine Planung der Bauzeit möglich. Dies trug dazu bei, dass die ursprünglich festgesetzten Baukosten von 3,5 Millionen £ am Ende bei über 50 Millionen £, also dann 100 Millionen Australische Dollar lagen und der Termin der Fertigstellung vom 26. Januar, also dem Nationalfeiertag Australia Day von 1965, auf das Jahr 1973 verschoben werden musste.

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