Tag Archive | Stadtutopie

HavvAda, die Inselstadt

havvada1Designer und Architekt Dror Benshetrit hat eine spektakuläre Lösung für ein schier unlösbares Problem in der Türkei: Alle paar hundert Jahre schlägt ein Politiker oder ein Ingenieur eine Idee für die direkte Verbindung vom Schwarzen Meer zum Marmarameer durch einen Kanal vor. Der türkische Premierminister  Recep Tayyip Erdoğan ist ein feuriger Anhänger dieser Idee, doch bisher wusste man schlicht nicht, wohin mit der unglaublichen Menge von einer Milliarde Kubikmeter Aushub. Benshetrit schlägt hierfür den Bau einer künstlichen Insel mit sechs Erhebungen vor, einer Stadt namens HavvAda, die 300’000 Bewohner und viele Geschäfte, Büros und Parks beherbergen soll.havvada5 havvada4

Schwimmende und fliegende Städte

Paul Maymont (1926 – 2007) war ein französischer Avantgarde-Architekt und befasste sich in erster Linie mit urbanen Utopien. Er verfolgte das Ziel, die Städte in die Natur zu integrieren, oft indem er die Häuser fliegen oder schwimmen liess, unterirdisch plante oder Berge als natürlicher Baugrund nutzte.

Er selbst war 1965 Gründungsmitglied des Groupe International d’Architecture Prospective (GIAP), zusammen mit Nicolas Schöffer, Michel Ragon, Yona Friedman, Georges Patrix, Walter Jonas und Ionel Schein.

Auroville

Gegenwärtig erstrecken sich über das Gebiet von Auroville, in der Nähe von Puducherry im Südosten Indiens, mehr als 100 Ansiedlungen in unterschiedlicher Ausprägung, Lebensstandard sowie Schwerpunkt von beruflicher und sonstiger Tätigkeit.

Entworfen von einer Architektengruppe um den französischen Architekten Roger Anger, soll sich die zukünftige Stadt für ca. 50000 Bewohner in Form einer Spiralgalaxie um den Zentralbereich erstrecken.

Im Zentrum erhebt sich das Matrimandir (dt.: Tempel der Mutter), ein Zentralbau sakralen Charakters inmitten einer eigens geschaffenen, öffentlichen Gartenanlage.

Vier Stadtsektoren, jeweils mit einem Nutzungsschwerpunkt – Kultur, Internationalität, Industrie und Wohnbereich – erstrecken sich vom Matrimandir strahlenförmig über eine Fläche von 25 km², wovon erst 10 km² verwirklicht wurden. Das Projekt selbst befindet sich noch im Stadium einer Experimentalstadt. Es stellt wie die Projekte Arcosanti (USA) oder Damanhur (Italien) den kollektiven Versuch der Realisierung einer Stadtutopie dar, mit neuen Wohn- und Lebensbedingungen zu experimentieren. Darüber hinaus werden andere Formen des sozialen Zusammenlebens durch größere Gemeinschaften (communities) entwickelt.

Verschiedene Projekte forcieren die Nutzung alternativer Energiequellen und organischer Baustoffe, wie Lehm und Ton. Zudem wird seit einigen Jahrzehnten wegen der gebietsweise starken Erosion ein für Indien vorbildliches Wiederaufforstungsprogramm durchgeführt.

Arkologie

Paolo So­leri, der Er­fin­der der Arkologie-Bewegung (Arcology ist eine Wortkreuzung aus architecture und ecology) und seine Frau Colly wid­me­ten sich For­schungs­pro­jek­ten und dem ex­pe­ri­men­tel­len Städ­te­bau. Sie grün­de­ten hierzu eine Stif­tung na­mens Cosanti-Stiftung.

Das Haupt­pro­jekt der So­le­ri­schen Stif­tung wurde Arcosanti, eine Stadt für 5.000 Ein­woh­ner die So­leri ent­wor­fen hatte. Die Stadt wird seit 1970 in Cordes Junction in der Nähe von Phoenix ge­baut.

Die Ar­bei­ten von Paolo So­leri wur­den welt­weit aus­ge­stellt und sind Vor­rei­ter der heu­ti­gen Dis­kus­sion zur Nach­hal­tig­keit des Pla­nes und Bau­ens.

Soleri wurde Mit­glied bei der »Graham Foundation« und der »Guggenheim Foundation«. Er er­hielt mitt­ler­weile meh­rere Eh­ren­dok­to­rate für seine Werke. 1963 wurde er be­reits mit der Gold­me­daille des American In­sti­tute of Architects (AIA) aus­ge­zeich­net. 1981 er­hielt er die Gold­me­daille der »World Bi­en­nale of Architecture« auf der IN­TER­ARCH in Sofia, Bulgarien, die Sil­ber­me­daille der »Academie d’Architecture« in Paris. In­ter­na­tio­nale Be­ach­tung fand das 1984 durch­ge­führte »Internationales Ar­chi­tek­tur Sym­po­sium ‚Mensch und Raum‘« an der TU Wien, an dem neben Paolo So­leri bei­spiels­weise Bruno Zevi, Dennis Sharp, Pierre Vago, Jorge Glusberg, Otto Kapfinger, Frei Otto, Justus Dahinden, Ernst Gisel, Ionel Schein teil­nah­men.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Tempel von Damanhur

Die Gründung Damanhurs geht auf Mitte der 70er Jahre zurück und wurde inspiriert von Oberto Airaudi.

Heute ist Damanhur (nicht zu verwechseln mit dem ägyptischen Damanhur, dem früheren Hermopolis) ein weltbekanntes Zentrum spiritueller, künstlerischer und sozialer Forschung mit Sitz im Valchiusellatal, einem der schönsten Voralpentäler des Piemont.

Die Gedankenwelt Damanhurs hat eine neue Gesellschaftsform und ein neues Volk ins Leben gerufen, um ein alternatives Lebens- und Denkmodell als mögliche Inspiration für den Planeten zu verwirklichen. Dieses Volk als New Age Sekte zu betiteln wäre wohl falsch und würde zu kurz greifen. In Italien ist Damanhur aufgrund seines anhaltenden ethischen und sozialen Engagements als gemeinnütziger Verein (Associazione di Promozione Sociale) anerkannt.

Damanhur besitzt eine eigene Verfassung, eine eigene Sprache, ein alternatives Währungssystem, eine Tageszeitung, Kunstateliers und Kunsthandwerkstätten, ein Kongresszentrum sowie medizinische und wissenschaftliche Forschungslabors.

Faszinierend sind die unterirdischen Bauten, die direkt in den Berg gemeisselt wurden. Neben einem Labyrinth von verzierten Gängen finden sich diverse geheimnisvolle „Tempel der Menschheit“ (virtual tour).

%d Bloggern gefällt das: